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Montag, 01 Juli 2013 15:14

Geschichtsrückblick zum 100jährigen Jubiläum der Schule Bannetze

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Als im Sommer 2011 Bannetze drei Tage lang ganz im Zeichen des Jubiläums der 100 Jahre alten Schule stand, feierte der Ort sein Schulhaus.

Rechtzeitig zum Jubiläum ist das Kernstück der Schuluhr wieder nach Bannetze zurückgekehrt, denn Heinrich Lindhorst, Vorsitzender des Winser Heimatvereins, übergab das rund 100 Jahre alte Uhrwerk an den Eigentümer der Alten Schule, Rolf von der Horst. Die zweiten Besitzer der Schule nach dem Verkauf, Familien Fröhling und Schunck, hatten die Schuluhr bei ihrem Auszug an ihren neuen Wohnsitz nach Frankfurt mitgenommen, wollten das Uhrwerk dann aber doch wieder abgeben und boten es dem Winser Heimatverein an. In Frankfurt wuchteten Heinrich Lindhorst und seine Helfer das mehrere Zentner schwere Uhrwerk aus dem oberen Stockwerk eines Wohnhauses ins Auto. Im Grooden Hus auf dem Winser Museumshof stand das historische Uhrwerk dann etliche Jahre hinter der Knechtekammer, bevor 2011 der Transport zurück in die Schule erfolgte.

Über viele Jahrzehnte begleitete die Schuluhr das Leben etlicher Bannetzer Schüler-Generationen. Und nicht nur der Schüler, sondern die Schuluhr hatte große Bedeutung für sämtliche Einwohner im Ort. Sie war wertvoll für das Dorfleben, denn nur wenige Bannetzer hatten eigene Uhren. Und wenn, dann meistens als Standuhren, gelegentlich als Taschenuhren, die dann weiter vererbt wurden. Immerhin ist die Uhr vergleichbar mit dem Modell, das auch in der Lüneburger Michaeliskirche den Menschen anzeigt, was die Stunde geschlagen hat. Das Hildesheimer Uhrenbauer-Unternehmen F. A. Beyes wurde 1863 gegründet und lieferte Turmuhren für Kirchen und Bahnhöfe bis nach Rumänien. „Die Geschichte des Schullebens muss einen zentralen Punkt bilden", fand Rolf von der Horst bei der Rückgabe der Uhr nach Bannetze im Frühjahr 2011. Deshalb solle das Uhrwerk einen repräsentativen Standort in einer Vitrine innerhalb des Schulgebäudes erhalten.

Ein Haesler-Bau in Bannetze

Bis 1966 sind Generationen von Schülern in dem einen Klassenraum des Haesler-Baus im Ortsmittelpunkt unterrichtet worden, bis eine Umstrukturierung die Zeit der Zwergschule beendete. Die jetzigen Eigentümer Rolf und Hetti von der Horst hatten den ganzen Ort eingeladen, sich an dem 100-jährigen Jubiläum der alten Schule zu beteiligen. Und so wurde in Kooperation mit der Freiwilligen Feuerwehr Bannetze, dem Hegering Bannetze, den Heimatpflegern Lothar Bluhm und Harry Fricke, dem Kindergarten „Rappelkiste", den Kommunalverwaltungen in Celle und Winsen, dem Schützenverein Bannetze, dem Sportverein SV Grün-Weiß Bannetze sowie zahlreichen weiteren Helfer aus dem Ort und der Umgebung das Jubiläum gefeiert.
Das begann mit einer Kunstaktion der Kindergartenkinder aus der „Rappelkiste". Die Kinder führten fröhlich und mit Freude das Theaterstück „Das kleine Blau" auf und gestalteten gemeinsam mit dem Künstler Jens Kalkmann quasi nebenbei eine Kuh-Plastik. Blau und Gelb wurden zu Grün und jedes Kind sowie anschließend sämtliche Jubiläumsgäste konnten mit Handabdrücken ihren Beitrag zu dem farblichen Experiment leisten.

Mit einem so genannten Klassentreffen ehemaliger Schüler und einem Gartenfest mit Pausengesprächen neben dem Haesler-Haus nahm die Feier würdige Formen an. „Dieses Haus lebt", stellte Ortsbürgermeister Heinrich Leymers während seiner Ansprache fest und Architekt Michael Wagner, Vorstandsmitglied der Celler Haesler-Stiftung, fasste in seinem Rückblick über das Wirken Otto Haeslers das Ereignis so zusammen: „Etwas besseres kann einem Denkmal nicht passieren, als dass darin Leben herrscht."

Der Celler Architekt Otto Haesler

Wagner stellte fest, dass die Schule Bannetze 1910/11 realisiert wurde und somit in die frühe Schaffensphase des Architekten Otto Haesler fiel.
1880 in ärmlichen Verhältnissen in München geboren, vollzog Haesler von 1899 bis 1903 eine Ausbildung an den Baugewerkschulen in Augsburg und Würzburg. Nebenbei arbeitete Haesler auf dem Bau, als Zeichner und sammelte gleichzeitig Berufserfahrung. Nach einer Zeit als Angestellter im Büro des Architekten Ludwig Bernoully in Frankfurt/Main machte er sich 1906 als Architekt in Celle selbstständig.
Zuvor gewann er einen Architektenwettbewerb und erhielt den Auftrag für den Umbau des Celler Kaufhauses Freidberg und danach etliche weitere Aufträge in Stadt und Umland. „Haesler wandelte sich noch in der ersten Hälfte der 20er Jahre mit dem Bau der Siedlung Italienischer Garten in Celle in erstaunlicher Rigorosität vom traditionell orientierten zu einem radikal modernen Architekten, der die Ideen des Bauhauses vor allem in Celle, aber auch in Kassel, Karlsruhe und Dessau teilweise konsequenter umsetzte als die Architekten des Bauhauses selbst", stellte Wagner in seinem Vortrag heraus.1932 nahm Otto Haesler neben Walter Gropius als einer der Repräsentanten Deutschlands an der Ausstellung „International Style" im Museum of Modern Art (MoMA) in New York teil. Seit 1934 beschränkte sich Haesler auf Bautätigkeiten im ländlichen Raum, zog nach Eutin in Schleswig-Holstein um und war von 1942 bis 1945 in den besetzten Städten Łódź und Lemberg tätig. Nach dem Weltkrieg beschäftigte er sich mit dem Wiederaufbau von Rathenow, wurde 1950 Professor für sozialen Wohnungsbau und später an die Deutsche Bauakademie berufen. Haesler starb 1962 bei Potsdam.

Die Bannetzer Schule

Beim Bau der Bannetzer Schule griff Haesler im Sinne des Heimatstils auf die Form des niederdeutschen Hallenhauses zurück, mit Krüppelwalmdach und der Kombination aus Ziegel und Fachwerkbau. „Das Haus besteht aus der Lehrerwohnung, den Schulräumen und dem Stallanbau und lässt abgesehen von dem Dachreiter mit Schuluhr im Erscheinungsbild eher auf eine Hofanlage, als auf ein Schulgebäude schließen, ist also offensichtlich bewusst dem ländlichen Kontext angepasst worden", stellte Wagner fest. Und weiter: Für ein Dorf mit der Größe von damals 300 Einwohnern war dieses Schulhaus sicherlich schon recht groß. In seiner Gestaltung wirkt es durch seine schlichte Fassadengliederung wohlproportioniert und in der Ausführung gediegen – beides charakteristisch für die erste Schaffensphase Haeslers.

Unterricht damals

Ehemalige Schüler kamen als Zeitzeugen in Gesprächsrunden zu Wort und ließen Erinnerungen an Rohrstock, Schwimmunterricht und Disziplin lebendig werden. Immer wieder wurde heraus gestellt, dass Lehrer Schiebel durch Strenge und Disziplin bei den Schülern im Gedächtnis blieb.
Eine Unterrichtsstunde „wie zu Kaisers Zeiten" leistete ihren eigenen Beitrag.
Ein Ergebnis von „Schulreformen" der 60er Jahre war die Schaffung größerer Schulzentren und als Folge die Schließung der alten kleineren Dorfschulen. Im Sommer 1966 endete der Unterricht in der Alten Schule Bannetze. 1972 verkaufte die Gemeinde das Gebäude, das seitdem als Wohnhaus und als Büro genutzt wird.
Vorher fanden gemeinsam mit Pastor Wilhelm Mangels aus Winsen auch regelmäßig Bibelstunden in der Schule statt. Das war jedenfalls so lange, wie Pastor Mangels im Dienst war.
Nicht ganz so abenteuerlich wie die Odyssee der Schuluhr über Frankfurt und Winsen war die Tour der Schulglocke, die bis zum Ende des offiziellen Unterrichtes in der Bannetzer Schule im Glockenturm hing.
Sie läutete nicht nur im Schulunterricht, sondern auch zu Hochzeiten, Beerdigungen und manchmal auch bei Feuer. Die Glocke wurde, wie auf ihr zu lesen ist, 1917 vom Bochumer Verein für Gussstahlfabrikation (BVG), der auch Eisenbahnschienen und Kanaldeckel produzierte, hergestellt. Der Bochumer Verein war ein vertikal integrierter Montankonzern mit Sitz in Bochum, zu dem mehrere Stahlwerke und Zechen gehörten und der zeitweise über 20000 Menschen beschäftigte. Er entstand im Jahr 1854 aus der Gussstahlfabrik Mayer und Kühne und firmierte zunächst als Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation (BVG). Das Unternehmen war zwischen 1926 und 1951 ein Betrieb des Großkonzerns Vereinigte Stahlwerke AG. 1965 fusionierte der BVG schließlich mit der Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG des ewigen Konkurrenten Krupp. Nach verschiedenen Namenswechseln firmiert ein Nachfolgeunternehmen heute wieder als Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH. *)
Bis zum Bau des Sportheims 1972 hing die Glocke in der Schule. Dann erhielt sie einen eigenen dreibeinigen Glockenturm auf dem benachbarten Gelände des Sportheimes, das aus dem Erlös des Verkaufs der alten Schule errichtet wurde.
Nachdem sich in dem Gebäude in der Trägerschaft des Sportvereins Grün-Weiß Bannetze aus einer Eltern-Kind-Gruppe der Kinderspielkreis und nun der Kindergarten „Rappelkiste" etabliert hatte und durch Dorferneuerungsmaßnahmen im Jahr 2010/2011 der Außenbereich umgestaltet wurde, wurde der Glockenturm unter erheblichem Aufwand umgesetzt. Er steht jetzt in dem öffentlichen Bereich vor dem abgeschlossenen Teil des Grundstücks, das dem Kindergarten zur Verfügung steht.

Harry Fricke / Lothar H. Bluhm

*) aus Wikipedia – die freie Enzyklopädie

Gelesen 1192 mal Letzte Änderung am Samstag, 31 Mai 2014 11:42
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