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Samstag, 01 Juni 2013 10:39

Kultivierung des Bannetzer Moores

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Torfgewinnung, Entwässerung und Kultivierung des Moores beschäftigten die Anwohner von Moorflächen schon seit langem. Auch für die Bannetzer Höfe stellte das Moor eine erhebliche Beeinträchtigung des wirtschaftlichen Ertrages dar, so dass schon frühzeitig an eine effektivere Nutzung des Moores gedacht wurde.

Beim Torfabbau wurde im 19. Jahrhundert häufig mit Zugpferden gearbeitet, die Pferdemoorschuhe übergezogen bekamen. Dadurch konnte verhindert werden, dass die Tiere im morastigen Grund versinken. Pferdemoorschuhe sind Spezialanfertigungen vom Holzschuhmacher, die über die Vorder- und Hinterhufe der Tiere gestülpt und mit Riemen festgezogen werden. Die Holzplatten unter den Hufen schützen die Tiere dabei zwar vor dem Einsinken, erschweren aber gleichzeitig ihre Fortbewegung, und die Riemen drücken auf die Hufe. Dennoch wurde diese Technik beim Abbau des Torfes vielfach angewandt.

Landwirtschaftliche Nutzung eingeschränkt

Eine Entwässerung und Kultivierung des Bannetzer Moores kam erst Anfang der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts verstärkt in das Bewusstsein der Landwirte, denn es galt, die Existenz der Höfe in Bannetze zu sichern. Obwohl die Bannetzer Höfe für die damaligen Verhältnisse sehr groß waren, gab es bei der Nutzung der Flächen starke Einschränkungen: Das Hochwasser der Aller im Süden und schlechte Erträge auf den sandigen Böden. Die zeitweilig stauende Nässe auf den Ackerflächen - besonders im Frühjahr zur Bestellung - wirkte sich außerdem negativ für die Landwirtschaft aus.

Existenzsicherung

Durch kulturtechnische Maßnahmen sollte eine Werterhöhung des Bodens erfolgen. Es sollten also die Ertragsfähigkeit gesteigert, die Bewirtschaftung vereinfacht und zum Schutz vor Schädigung oder Zerstörung beigetragen werden. Dazu gehörten auch die Entwässerung und Drainierung von Moor- und Überschwemmungsgebieten. Auch die Kultivierung von Mooren und Heide wird zu den Meliorationsmaßnahmen gezählt.

1922 entschloss man sich zur Existenzsicherung der Höfe; die Entwässerung und Kultivierung des Bannetzer Moores wurde beschlossen. Dazu wurde ein Entwurf vom damaligen Kulturbauamt Celle über nötige Maßnahmen erstellt und die ersten geplanten Entwässerungsarbeiten wurden 1924/25 ausgeführt. Ein Problem dabei war, dass die Gräben nur ein geringes Gefälle von 0,3 Prozent erhalten konnten. Damit erfolgte der Ausbau zu flach. Somit zeigte sich diese Maßnahme relativ schnell als erfolglos.
Und auch durch die 1936 begonnenen Meliorationsmaßnahmen konnte das Moor bis auf wenige Grünlandflächen nicht landwirtschaftlich genutzt werden.

Erneute Maßnahmen

Fast 20 Jahre später wurde 1954 durch den gegründeten Wasser- und Bodenverband Bannetzer Moor ein Gutachten von der staatlichen Moor-Versuchsstation Bremen angefordert.
In einem Entwurf zur Melioration des Bannetzer Moores vom 19. Januar 1954 kam das Wasserwirtschaftsamt Celle zu folgender Schlussbetrachtung: „Durch die Ausführung der in diesem Entwurf vorgesehenen Arbeiten kann ein rund 600 Hektar großes hochwertiges Niederungsmoorgebiet aufgeschlossen werden, dessen Bewirtschaftung in der jetzigen Form ausgeschlossen ist. Die Erzeugung von hochwertigen landwirtschaftlichen Produkten wie Milch und Fett wird zur Deviseneinsparung beitragen."
Auf den vorhergehenden 17 Seiten des Arbeitspapiers wird auch der Zweck des Projektes ausführlich dargelegt: „Zur Entwässerung und Kultivierung des Bannetzer Moores wurde im Jahre 1922 vom damaligen Kulturbauamt Celle ein Entwurf bearbeitet, auf Grund dessen im Jahre 1924 der jetzige Wasserverband Bannetzer Moor für das rund 400 Hektar große Gebiet gebildet wurde. Die geplanten Entwässerungsarbeiten wurden 1924/25 ausgeführt, und anschließend wurde mit der Kultivierung des Ödlandes begonnen." An anderer Stelle wird genau definiert: „Das Gebiet weist hauptsächlich Niederungsmoor von ein bis zwei Metern Mächtigkeit auf. Seine Lage ist außerordentlich flach, sodass die Vorfluter, Drebber und Nebengräben größtenteils nur ein Gefälle von 0,3 Prozent erhalten konnten. Die Wasserläufe sind so ausgebaut, dass des SMW 40 bis 50 Zentimeter unter Gelände steht. Somit ist der Ausbau zu flach erfolgt."
Und weiter: „Erschwerend kam noch hinzu, dass die nördlich des Verbandsgebietes gelegenen bis 1925 unbenutzten Meißendorfer Fischteiche wieder angespannt wurden und die unmittelbar an sie angrenzenden Teile des Verbandsgebietes aus diesem Druckwasser erhielten." Später seien die Teichdämme erhöht worden, so dass sich die Entwässerungsverhältnisse weiter verschlechterten. „Die Flächen sind jetzt völlig versumpft, und die wenigen seinerzeit kultivierten Grundstücke weisen bis auf einige Ausnahmen einen hundertprozentigen sauren Bestand auf", wird der Zustand 1954 definiert.
Kleinbauern aus Winsen und Bauern aus Bannetze seien an einer Verbesserung der Entwässerungs- und Wegeverhältnisse und Kultivierung des hochwertigen Gebietes stark interessiert.

„Grünes Licht" für Kultivierung

Nach verschiedenen Untersuchungen und einem Maßnahmenkatalog sollten nach Erwartungen der Versuchsstation „von der moorwirtschaftlichen Seite gesehen erhebliche Vorteile" eintreten. Dieses positive Gutachten bewirkte die finanzielle Förderung für dieses Projekt, das den Ausbau von Vorflutern, Binnengräben, Tiefumbruch und die Kalkung des Bodens auf der rund 750 Hektar großen Fläche westlich des Teichgeländes. Die Meliorationsflächen lagen zwischen der Landstraße von Essel nach Winsen und den Meißendorfer Fischteichen im Norden. Begrenzt wurden sie im Osten und Süden von Acker und Waldflächen und im Westen von Grünland und Bruchflächen des Wasser- und Bodenverbandes Meißetal. „Voraussetzung für eine ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung sind der Ausbau der Vorfluter, Anlage einer Binnenentwässerung durch Gräben und Dränung, Wegebau und landwirtschaftliche Folgeeinrichtungen im Verband- und Anschlussgebiet."
Der Abteilungsvorsteher und stellvertretende Direktor der Moor-Versuchsstation Bremen, A. Janner, gab am 12. Juli 1954 gegenüber dem Wasserwirtschaftsamt Celle eine Stellungnahme ab, in der beschrieben wird, dass Schürflöcher die für die künftige Kultivierung wichtige Feststellung ergaben, dass unter zwei bis drei Dezimeter stark zersetztem Torf hochmoorartigen Charakters mehr oder weniger nährstoffreiche Bruchwaldtorfe bis etwa zwölf Dezimeter auftreten. Das zeige auch die Vegetation von Gagelstrauch auf den bultigen Flächen sowie das Durchwachsen von Rohrkolben in den völlig zugewachsenen Gräben in der Nähe der Teiche an. „Die Furcht einiger Beteiligter, dass diese Meliorationsmaßnahme eine ähnliche Trockenlegung wie die der Allerwiesen zur Folge hat, ist nach den bisherigen Erhebungen unbegründet", gab Janner somit grünes Licht für die Maßnahmen zur Kultivierung des Moores.

Ausgiebige Beratungen

18 Monate später kam die Staatliche Moor-Versuchsanstalt zu der Schlussfolgerung, dass auf Grund der weiteren stratigraphischen Untersuchungen auf größeren Teilflächen im Meliorationsgebiet recht schwierige Moorprofile anstehen, die nur mit hohen Aufwendungen und erheblichen Schwierigkeiten der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt werden können. „Wegen der hoffernen Lage, der bei einzelnen Höfen unterschiedlichen betriebswirtschaftlichen Verhältnisse und der für einzelne Besitzer zum Teil recht großen flächenmäßigen Beteiligung an der Melioration halten wir eine eingehende landwirtschaftliche Beratung für unbedingt notwendig, denn nur so kann ein anhaltender betriebs- und volkswirtschaftlicher Erfolg der Meliorationsmaßnahme erwartet werden."

Tiefpflügen als Kultivierungsmaßnahme

1959 beschloss der Verband (Vorsitz: August Lammers) gemeinsam mit den Eigentümern der Flächen, die Arbeiten mit dem Ausbau der Drebber und des Bruchgrabens, des Moormaschgrabens und des Nord-Süd-Grabens zu beginnen. .
Als Verbandingenieur wurde Regierungsoberbauinspektor Walter Böhmann beauftragt.
Die Firma Werner aus Kirchlinteln erhielt den Auftrag für den Ausbau der Drebber. Diese Arbeit erwies sich als sehr schwierig, da der Boden sehr morastig war, so dass der Bagger nur auf Bohlen fahren konnte.
Den Ausbau der anderen Vorfluter wurde von der Firma Claussen aus Lachendorf übernommen.
Nach Beendigung dieser Arbeiten begann das Tiefpflügen der einzelnen Flächen. Hierzu wurden Bäume, Gehölze und Unebenheiten mit einer Raupe entfernt. Das Pflügen bis zu einer Tiefe von zirka einem Meter wurde mit zwei Raupen ausgeführt und im Anschluss wurden die Unebenheiten planiert.

Harry Fricke / Lothar H. Bluhm

Gelesen 1099 mal Letzte Änderung am Samstag, 31 Mai 2014 10:52