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Samstag, 15 Juni 2013 10:52

Bannetzer Jubiläen

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Index

Ein Ereignis vereint die Bannetzer Schleuse, die Alte Schule und den Schützenverein Bannetze: Sie wurden vor rund 100 Jahren errichtet beziehungsweise gegründet. 25 Jahre später wurde die Freiwillige Feuerwehr offiziell registriert und weitere 25 Jahre später entwickelte sich der Sportverein Grün-Weiß Bannetze. – Es war also eine Zeit voller Jubiläen und Ereignisse.


Schützenverein Bannetze von 1910

Das erste Protokollbuch des Schützenvereins Bannetze ist eindeutig: Am 7. Mai 1910 wurde der Verein gegründet.

Vorsitzende des Schützenvereins Bannetze waren
1910-1919 Wilhelm Harling (Leimern Hof)
1919-1920 Hermann Thies (Diers Hof)
1920-1922 Willi Hartmann
1922-1924 August Lammers
1924-1928 Gustav Thies (Säger Thies)
1928-1930 Hermann Meyerhoff
1930-1950 Hermann Thies (Sen)
1950-1956 Ludolf Reinecke (Sen)
1956-1985 Heinz Lammers
1985-1987 Hermann Thies
ab 1987 Helmuth Bock

Das Vereinsleben war von 1914 bis 1919 und von 1937 bis 1949 durch die Weltkriege unterbrochen. Erst 1950 gab es wieder einen Schützenkönig, Wilhelm Hoppenstedt auf Sleims Hof. Danach entwickelte sich das Vereinsleben rege. Selbst im Winterhalbjahr gab es Schützenbälle und im Januar 1956 wurde sogar das Theaterstück „Die gestohlene Julia" im damaligen Gasthaus Lammers aufgeführt.
Das 50-jährige Jubiläum wurde groß gefeiert. Über 800 Menschen waren am Himmelfahrtsabend auf dem Festzelt, zum Schützenkönig wurde der Dorfschullehrer Gerhard Schiebel proklamiert und es gab ein Pokalschießen der teilnehmenden benachbarten Vereine, wobei Wolthausen siegreich war.
Zum 75- jährigen Jubiläum spielte eine zünftige bayerische Blaskapelle. Jubiläumskönig wurde Axel Beckmann. Zu diesem Jubiläum wurde eine Festschrift herausgegeben, die viele chronologische Angaben zu Vorsitzenden, Königen und nicht zuletzt zur Vereinszugehörigkeit der Damen enthält.

Damen im Schießsport

Unter den zunächst eher skeptischen Blicken der Männer, wuchs die Bedeutung der Frauen im Laufe der Jahre immer mehr. So wurde 1979 die Damengruppe gegründet. Fleißige Hände im Hintergrund bei allen Veranstaltungen, aber auch die Durchführung von Weihnachtsbasaren und Herbstmärkten machten die Frauen unentbehrlich für die Vereinsentwicklung. Sowohl die neue Fahne des Vereins zum Jubiläum 1985, als auch das Jubiläum 2010 konnten so wesentlich mitfinanziert werden. Dazu kommen viele eigene Schießveranstaltungen, Freundschaftsschießen mit den eng verbundenen Südwinser Schützenschwestern und viele Erfolge auf Kreisebene. 1986 wurde Christa Meyerhoff in Oldau Kreisaltersdamenkönigin. 1991 wurde sie Damenbeste des Vereins, während ihr Mann Hermann die Königswürde erreichte. Birgit Daps (1989) und Angelika Wagner (1992) errangen die Würden der Westkreiskönigin und 2008 war Kirsten Müller Westkreisdamenbeste.

In ihren weißen Blusen, den schwarzen Röcken und den grünen Westen stellen die Schützenschwestern in Bannetze Jahr für Jahr eine attraktive Unterbrechung der schwarzgrauen Männerriege bei den Umzügen innerhalb und außerhalb des Ortes dar. Für einen gekonnten Farbtupfer sorgen auch die knallroten Nelken auf den rechten Schultern der Schützendamen, mittlerweile Markenzeichen der Bannetzer Schützinnen.
Als Damenleiterin war Gisela Jakob bis1989 tätig, danach kamen Hannelore Brockmann, Birgit Daps, Ursula Meyer und seit 2005 Elisabeth Fricke, die jetzt die Geschicke der rund 40 Damen lenkt.

Schützenscheiben

Was wären die Schützenfeste ohne Schützenkönige und Majestäten ohne Schützenscheiben? In Bannetze konnte der Verein jahrzehntelang auf Vereinsmitglieder zurückgreifen, die die Kunst des Scheibenmalens beherrschen: Von 1977 bis 1998 kreierte Dieter Kessemeyer die Scheiben. Dabei wurde er regelmäßig kurz vor Fertigstellung von Willi Meyerhoff, Begründer und Ideengeber mancher Tradition in Bannetze, aufgesucht, der dann eine „letzte Prüfung des Werkes" vornahm. Dabei kam dem Prüfer weniger seine künstlerische Ader zugute, als vielmehr sein genaues, auf handwerkliche Leistung geschultes Auge.

Einige Jahre malte dann der Winser Malermeister Heinrich Hemme für den Verein (wie auch schon in den 1950er Jahren), bevor seit 2003 Hans-Dieter Marquordt diese wichtige Aufgabe in professioneller Weise für den Verein wahrnimmt. Terry Marquordt ist erfahrener Restaurator. Die Jubiläumsscheibe stellt die Alte Schule, ein Haesler-Gebäude aus dem Jahr 1911, in den Mittelpunkt.
Die Vorbereitungen für das Jubiläumsschützenfest zum 100-jährigen Bestehen des Vereins begannen schon im Rahmen des Schützenfestes 2009 mit dem gemeinsamen Foto aller Mitglieder auf dem Hof von Ulrich Fricke (Leimanns Hof).

Hatten die alljährlichen Schützenfeste traditionsgemäß ihren Platz beim Kreuger (Gasthaus Lammers), so wechselte es 1987 zur Gemeindescheune, an der der Festplatz aufgebaut wird.


Sportverein Grün-Weiß Bannetze

Seinen 50. Geburtstag konnte der Sportverein Grün-Weiß Bannetze 2009 feiern, denn am 15. Januar 1959 gründeten Barbara Thiel, Ursula Lüßmann, Karin Diederley, Rudolf Beckmann, Hermann Daps, Wilhelm Lonkowski, Alfred Thiel, Wolfgang Schiebel, Horst Hambrock, Ernst Beckmann, Hartmuth Diederley, Ewald Daps, Heinz Ebbrecht und Wilhelm Lammers den Verein. Erster Vorsitzender, Übungsleiter und zugleich Jugendleiter wurde Hermann Daps.
Schon 1955 stellte die Gemeinde Bannetze mit ihrem Bürgermeister August Lammers einen Spiel- und Sportplatz zur Verfügung, denn die Aktivitäten waren nicht mehr zu übersehen.
1956 gründete der Lehrer Arthur Mohwinkel aus Thören einen Turnverein, in den die Bannetzer Faustballer eintraten. Ein Jahr später veranstaltet der Turnverein Thören die Kreismeisterschaft im Faustballspiel. „Im November 1958 trennen wir Bannetzer uns im guten Einvernehmen von dem Turnverein Thören", erinnert der heutige Vorsitzende, Wolfgang Daps, an die Entstehung des Vereins.
Das damalige Bannetzer Ratsmitglied Rudolf Beckmann initiierte wegen der geringen Einwohnerzahl das Faustballspiel maßgeblich. Er erhielt vom Rat den Auftrag, das Nötige zu veranlassen. Kosten für Bälle und Geräte wurden in angemessener Höhe von der Gemeinde getragen. Arbeitslasten für die Erhaltung und Wiederherstellung des Sportplatzes sollten irgend möglich gleichmäßig verteilt werden. Die Ratsherren der Gemeinde legten großen Wert auf Ordnung und Sauberkeit.

Vorsitzende des Sportvereins Grün-Weiß Bannetze waren
1959-1961 Hermann Daps
1961-1962 Rudolf Beckmann
1962-1969 Hermann Daps
1969-1991 Heinz Lammers
1991-1999 Manfred Töpfer
ab 1999 Wolfgang Daps

Deutsche Meister im Faustball

Die weibliche Jugend wurde in den Jahren 1964, 1965, 1966, 1967, 1969, 1970 und 1975 Deutsche Meister, die männliche Jugend errang diesen Titel 1968.


Freiwillige Feuerwehr Bannetze

25 Bannetzer Männer setzten sich vor über 75 Jahren zusammen und gründeten die Freiwillige Feuerwehr: Landwirt Heinrich Thies, Ernst Koch, Arbeiter Hermann Meyerhoff, Bauer August Lammers, Bauer Willi Hartmann, Bergmann Otto Troue, Arbeiter Willi Gerberding, Heinrich Helms, Hermann Daps, Arthur Nötel, Heinrich Beckmann, Landwirt Ludolf Reinecke, Bauer Wilhelm Höper, Gastwirt Wilhelm Lammers, Arbeiter Hermann Hambrock, Willi Ebbrecht, landw. Gehilfe Heinrich Harms, Gustav Hambrock, Vorarbeiter Hermann Kohrs, August Lücke, Arbeiter Otto Meyer, August Meyer, Willi Stolte, Fritz Winkelmann und Hermann Lücke sind als Gründungsmitglieder in den Akten notiert.
Dabei gibt es durchaus Meinungen, dass die Wehr bereits seit 100 Jahren existiere, denn die alte Pumpe weist auf 1910 hin. Aber richtig belegen könne man halt nur die Gründung der Wehr im Jahre 1935. Schließlich gibt es den Landesfeuerwehrverband Niedersachsen bereits seit 1868 und das Rettungscorps Winsen wurde 1879 gegründet.

Priorität für Brandschutz

Natürlich hatte auch schon vor 1935 in Bannetze Brandschutz hohe Priorität. Dafür ist beispielsweise die alte Handdruckspritze ein sichtbarer Beweis: In feinster Zierschrift ist an der Seite des Löschgerätes zu lesen „Feuerwehr Bannetze 1910. Aber das Drei-Zeilen-Dokument vom 2. Januar 1936 weist eindeutig darauf hin, dass die Freiwillige Feuerwehr Bannetze am 29. Dezember 1935 in einer Stärke von 25 Mann offiziell gegründet worden ist: „Am 29.12.1935 ist Freiw. Feuerwehr Bannetze gegründet in einer Stärke von etwa 25 Mann. Ein Führer ist noch nicht bestellt", heißt es dann auch in dem Vermerk des Kreisfeuerwehrführers Buchholz in Garßen.
In einem Bestandsverzeichnis lautet ein Eintrag unter „Technische Ausstattung": „Handdruckspritzen: eine; Fabrikat Tidow 1910, Leistung: ?" - Die Grundlage für das Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Bannetze in diesem Jahr war also geschaffen.

Ehrenamtliche Brandmeister

Veränderungen gab es einige in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Bannetze. Immer wieder gab es Wechsel im Kommando. So waren August Lammers, Wilhelm Höper, Max Just, Günther Helms, Hermann Thies und Heinz Ludwig Dierking Brandmeister der Bannetzer Wehr. Danach sorgte Volker Meyerhoff für eine 25-jährige Kontinuität als Ortsbrandmeister, bis Eike Lammers das Kommando übernahm.
1919 ist das erste Feuerwehrhaus gebaut worden, in der die Kübelspritze und die Handdruckspritze ebenso untergebracht waren, wie später dann ein Anhänger mit einer Tragkraftspritze (VW-Motor). 1975 wurde ein gebrauchter Ford-Transit mit Tragkraftspritze von der Freiwilligen Feuerwehr Wolthausen übernommen, bevor 1985 ein Fahrzeug auf Basis eines Volkswagens LT und mit einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen angeschafft wurde.
Ein Höhepunkt war 1990/91 der Bau des Feuerwehrgerätehauses, das mit viel Eigenarbeit der Kameraden errichtet wurde. Der damalige Verwaltungschef in Winsen, Karl-Gustav Linde, übergab kurz vor seiner Pensionierung als, wie er es ausdrückte, letzte Amtshandlung den Schlüssel für das Haus.
Im Jahr 2000 trat die erste Frau in die bis dahin von Männern beherrschte Feuerwehr ein: Sonja Rohrbeck. Ihr folgten später Anne Lammers, Eva-Maria Bähre, Katharina Hambrock sowie Melanie Töpfer.

Einsätze der Wehr

Den größten Brand verzeichnet das Protokoll der Wehr im Jahr 1982: „Der Großbrand brach in der Nacht zum 26. September gegen 2 Uhr auf dem Hof von Heinrich Lammers aus: Die Scheune hatte Feuer gefangen. Sie brannte trotz großer Bemühungen auch von befreundeten Wehren bis auf die Grundmauern nieder. Jedoch wurden angrenzende Gebäude vor einem Übergreifen der Flammen erfolgreich geschützt.
Die Einsätze beim Orkan am 29./30. Juni 1997 und beim Sturm Kyrill am 18. Januar 2007 wurden in den Protokollen ebenso notiert, wie der Alarm beim Eisregen am 24. Dezember 2002: Eisbruch gefährdete die Versorgungswege. Die Jahreswende 2002/2003 war sehr interessant, als es am Heiligen Abend Stromausfall gab und an den folgenden Tagen erhebliche Gefahr durch Eis und Schnee gab. Da war die Bannetzer Wehr auch in Thören im Einsatz, um die Überlandleitungen von dickem Eis zu befreien.
Gelegentlich hielten beängstigende Hochwässer die Kameraden in Atem, so dass in enger Kooperation mit der Stützpunktwehr in Thören auch akute Maßnahmen zum Hochwasserschutz vorgenommen wurden: Das Errichten von Sandsackbarrieren.

Lothar H. Bluhm

Gelesen 3866 mal Letzte Änderung am Freitag, 08 Juli 2016 11:34