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Sonntag, 31 August 2014 17:45

Schleusenhaus gerettet? Empfehlung

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Die Bannetzer Heimatpfleger haben gemeinsam mit ihren Kollegen aus Stedden, Thören und Meißendorf neuen Mut gefasst: Wenn alles gut läuft, wird das Schleusenhaus nicht abgebrochen.

Das ehemalige Dienstgebäude des Schleusenwärters an der Schleuse könnte als ein so genannter „Knotenpunkt Tourismus“ weiter genutzt werden. Denn immerhin treffen hier verschiedene Angebote im Aller-Leine-Tal aufeinander. Allerradweg, Lyrikpfad, Jakobsweg und Bundeswasserstraße. Geplant ist auch die Verlängerung der bereits bestehenden Energieroute entlang der Aller, um die Entwicklung der Energiegewinnung zu veranschaulichen.

Mit Kopfschütteln, Schulterzucken und der wedelnden Hand vor der Stirn reagierten etliche Bannetzer, als sie vor einiger Zeit von den Plänen erfuhren, das ehemalige Betriebsgebäude an der Bannetzer Schleuse bei Flusskilometer 26,675 dem Erdboden gleich zu machen. Seit es vor über 100 Jahren im Rahmen der Flussregulierung zusammen mit Allerwehr und -schleuse in Bannetze gebaut wurde, diente es den Schleusenwärtern als Dienstgebäude und –wohnung. Mit der Automatisierung der Schleuse auf Selbstbedienung ist ein Schleusenwärter nicht mehr nötig.

Die rote Klinker-Fachwerkfassade prägt aber nach wie vor die Situation an der Schleuse und ist für viele Radfahrer auf dem gut ausgebauten Allerradweg zwischen Südwinsen, Hornbostel, Wietze und Bannetze oft ein begehrtes Fotomotiv. Und nicht nur das: „Das gehört einfach zusammen“, sind sich viele Nutzer des von der Europäischen Union geförderten Radweges an der Aller sicher. Deshalb verstehen sie nicht, warum das Haus abgerissen werden soll.

Schleusenhaus GruppenfotoKein Wunder also, dass sich die Bannetzer Heimatpfleger zusammen mit ihren Kollegen in den anderen Ortsteilen geschlossen für die Erhaltung des Hauses einsetzen. Gemeinsam mit dem Ex-Ortsbürgermeister aus Thören/Bannetze, Prof. Dr. Mebus Geyh, ist jetzt noch einmal die Situation dargestellt worden.

Die Holztreppen in dem leeren Haus knarren, das gedrechselte Geländer gibt Halt. An einigen Wänden dokumentieren angepinnte Kinderbilder vom fröhlichen Leben in dem alten Gebäude. Stilvolle Holztüren trennen einzelne Räume. Unter alten Apfelbäumen und Birken sitzt man an einem Tisch zusammen.

Bis zum Frühjahr soll nunmehr Klarheit über die Zukunft des ehemaligen Dienstgebäudes herrschen. In drei Schritten wollen sich alle beteiligten Stellen und Ämter dafür einsetzen, dass das Gebäude, das seit drei Jahren leer steht, als touristischer Knotenpunkt am Allerradweg genutzt werden kann.

Das bereits vorliegende Wertgutachten wird von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben präziser hinterfragt und die Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann (SPD), die auch Obfrau im Ausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur ist, will auf politischer Ebene Einfluss ausüben. Parallel dazu spricht die Gemeinde Winsen mit möglichen Investoren, um zum Jahresende zuverlässige Perspektiven entwickeln zu können. Im Frühjahr könnten dann Gebäude und Grundstück im Wege der Erbpacht übernommen werden.

Sofort nach Vertragsschluss beginnt dann der Prozess der Bauleitplanung, um die Voraussetzungen für die gewerbliche Nutzung des Areals zu erfüllen.

„Die Bannetzer Bürger wollen sich den Verlust dieses aus insgesamt vier Elementen bestehenden denkmalgeschützten Ensembles nicht vorstellen“, wiederholte Geyh seine Einschätzung am Rande der Sitzung, nachdem im Aller-Leine-Tal mit Mitteln der Landesregierung und des Landkreises Celle viele positive Aktivitäten entfaltet worden sind.

Gerade ist der Landkreis Celle für sein gut ausgebautes Radwegenetz gelobt worden, und der durch EU-Mittel geförderte Allerradweg führt direkt an Wehr und Schleuse entlang. Er bietet an dieser Stelle einen interessanten und begehrten Haltepunkt für Radwanderer. Die Schleuse, das Wehr, die Zuwegung und das Schleusenwärterhaus sind in einer Liste als Denkmal-Ensemble registriert.

Das „FlussErlebnis“ wirbt, die Region touristisch zu entdecken und mit der beabsichtigten Errichtung eines Wasserkraftrades auf der Hornbosteler Seite wird der vorhandenen Energieroute im Aller-Leine-Tal weitere Attraktivität verliehen. So könnten anschaulich alte und neue Technik dargestellt werden. Alte Technik am Wasserkraftwerk Oldau – neue Technik am Wasserrad am Schlauchwehr Bannetze.

Das Projekt wird von der Arbeitsgruppe Regenerative Energien der Technischen Universität Braunschweig am Institut für Statik vorangetrieben. Es soll Strom für etwa 3000 Personen liefern. Das Wasserrad wird ein durchsichtiges Gehäuse erhalten. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat in seinem Planfeststellungsbeschluss der Technischen Universität Braunschweig bereits die Genehmigung erteilt, eine innovative Wasserradtechnologie zur Stromerzeugung einzubauen. „Damit wird die historische Idee der Wassermühle in moderne Technologie zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Ressourcen weiterentwickelt", beschreibt Klaus Gossen als zuständiger Verfahrensleiter beim NLWKN das Projekt.

Geplant ist ein sehr langsam drehendes Wasserrad mit einem Durchmesser von elf Metern. Die geringe Drehzahl des Wasserrades von maximal 3,5 Umdrehungen in der Minute wird mit Hilfe eines Getriebes auf rund 750 Umdrehungen gesteigert, um eine Energieleistung von 500 Kilowatt zu erzeugen. So soll Strom für bis zu 1.000 Haushalte gewonnen werden.

Da bietet es sich an, das ausgediente Schleusenhaus künftig sinnvoll zu nutzen. So kann die Attraktivität rund um das Aller-Leine-Tal gesteigert werden. Für den Bannetzer Heimatpfleger Harry Fricke ist das jetzt verabredete Vorgehen der richtige Weg, „der hoffentlich zu einem guten Ende führt.“ Zumal die Steuerzahler allein der Abbruch rund 30000 Euro kosten würde. „Und das ist doch nicht nötig, wenn eine sinnvolle Nachnutzung ermöglicht wird.“

Gelesen 1933 mal Letzte Änderung am Freitag, 26 September 2014 17:57